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Polymerstempel

Begriff

Ein Polymerstempel (auch Poly-Stempel oder Photopolymerstempel) ist ein Stempel, dessen Stempelplatte aus Photopolymer gefertigt wird. Im Büroalltag wird er heute eher selten eingesetzt, im Kreativbereich – vor allem beim Scrapbooking – ist er dagegen wieder sehr beliebt.

Aufbau

Polymerstempel bestehen in der Regel aus einem Stempelkörper (häufig aus Holz oder Kunststoff) und einer Text-/Motivplatte. Diese Platte ist eine sogenannte Weich-Photopolymerplatte, die im Herstellungsprozess ausgewaschen wird.

Typisch: Die Polymerplatte wirkt im Vergleich zu klassischen Gummiplatten nicht grau, schwarz oder rot, sondern transparent. Wie bei Holzstempeln wird die Platte anschließend dauerhaft mit dem Stempelkörper verklebt.

Das Auswaschverfahren

Die Herstellung erfolgt vereinfacht in drei Schritten:

  • Belichtung: Die Platte wird mit einem Negativfilm belichtet (Fachbegriff: Polymerisation).
  • Auswaschen: Nicht belichtete Bereiche werden entfernt. Die belichteten Bereiche bleiben stehen – Buchstaben und Motive werden erhaben.
  • UV-Nachhärtung: Im letzten Schritt wird die Druckplatte per UV-Belichtung ausgehärtet, um Stabilität und Haltbarkeit zu erhöhen.

Je nach System können Polymerstempel u. a. aus Polysiloxanen, Blockcopolymeren, Polyolefinen oder Agarose bestehen.

Welche Stempelfarbe ist geeignet?

Polymerstempel eignen sich nicht für schnelltrocknende oder lösemittelhaltige Stempelfarben, weil diese die Platte angreifen und die Haltbarkeit deutlich reduzieren können. In der Praxis nutzt man daher spezielle Polymer-Stempelfarbe – meist über ein eigenes Stempelkissen.

Tipp: Wer Polymerstempel im Kreativbereich nutzt, sollte Stempelfarbe und Kissen konsequent trennen – also nicht „einfach das Büro-Kissen“ verwenden. Grundlagen zu Farben und Eigenschaften findest du im Lexikon-Eintrag Stempelfarbe.

Vorteile

  • Feine Details möglich: Motive und Schriften können sehr sauber und detailreich abgebildet werden.
  • Beliebt für Kreativprojekte: Ideal für Scrapbooking, Karten, Einladungen, Dekorationen und ähnliche Anwendungen.
  • Herstellung etabliert: Die Produktion ist grundsätzlich nicht komplizierter als bei klassischen Stempelplatten – sie folgt nur einem anderen Verfahren.

Nachteile

Der wichtigste Nachteil im Alltag ist die Farbabhängigkeit: Für Polymerplatten wird häufig eine passende Polymer-Stempelfarbe benötigt. Herkömmliche Tinten können die Platte stärker angreifen. In vielen Setups bedeutet das: zusätzliches Stempelkissen und passende Stempelfarbe.

Es gibt zwar auch Systeme, bei denen die Platte bereits farbführend ausgelegt ist – in der Praxis bleibt Polymer aber insgesamt „sensibler“ als klassische Gummiplatten.

Polymerstempel – Nutzungsmöglichkeiten

In industriellen Anwendungen werden Polymerstempelplatten u. a. zum Bedrucken technischer Geräte, Anlagen oder Werkstücke eingesetzt. Dabei können Stempel so klein ausgeführt sein, dass sie mit dem bloßen Auge kaum erkennbar sind, aber maschinell gelesen werden. Dieses Verfahren ist auch als Mikrokontaktdruck bekannt.

Im privaten Bereich stehen Polymer- bzw. Photopolymerstempel vor allem für kreative Anwendungen: Besonders verbreitet sind sie beim Scrapbooking und beim Gestalten von Karten, Labels oder dekorativen Elementen.

Insgesamt haben Polymerplatten im klassischen Bürobereich über die Jahrzehnte an Bedeutung verloren und wurden in vielen Standardanwendungen von Gummistempeln bzw. moderneren Stempelarten abgelöst.

Synonyme

Polymerstempel, Poly-Stempel, Photopolymerstempel, Polymerstempelplatte


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